ImplementierungLaufendAI-native Softwareentwicklung

Rheinbahn: Verbotene Linksabbieger zählen — statt schätzen

An einer Düsseldorfer Kreuzung zählt ein Kamerasystem, wie oft Autos verbotswidrig über die Straßenbahngleise links abbiegen. Es speichert keine Bilder, erkennt keine Kennzeichen und meldet niemanden — es liefert nur anonyme Zahlen als Grundlage für bessere Sicherheit.

Foto © schnaq GmbH

Worum es geht

An der Kreuzung Grafenberger Allee / Simrockstraße in Düsseldorf biegen immer wieder Autos verbotswidrig links ab — über die Straßenbahngleise, direkt vor heranfahrenden Bahnen. Für die Fahrgäste in der Bahn, für die Fahrerinnen und Fahrer und für alle anderen an der Kreuzung ist das eine echte Gefahr: Notbremsungen, Sachschäden, im schlimmsten Fall Personenschäden.

Bisher wusste niemand genau, wie oft das passiert. Es gab Beobachtungen von Fahrpersonal, es gab Bauchgefühl, es gab einzelne dokumentierte Vorfälle — aber keine belastbare Zahl. Ohne Zahl lässt sich weder begründen, dass etwas geändert werden muss, noch überprüfen, ob eine Änderung wirkt.

Genau diese Lücke schließt das Projekt: Die Rheinbahn erprobt gemeinsam mit uns ein System, das die Verstöße zählt. Seit August 2026 läuft es an dieser Kreuzung.

Was dort installiert ist

Zwei Verkehrskameras und ein kleiner Computer in einem Gehäuse am Mast. Die Kameras blicken ausschließlich auf den Kreuzungsbereich — so, wie es auch ein Mensch am Straßenrand tun würde, der Striche auf einem Zettel macht.

Der Computer erkennt auf dem Live-Bild Fahrzeuge, verfolgt ihre Fahrlinie über wenige Sekunden und entscheidet, ob ein Abbiegevorgang verbotswidrig war. Straßenbahnen und Busse, die dort fahren dürfen, werden als berechtigt erkannt und nicht mitgezählt.

Was das System registriert, ist ein Zähleintrag: Zeitpunkt, Fahrzeugart („Auto", „Lkw"), Richtung, Bewertung. Mehr nicht.

Was mit den Bildern passiert

Es werden keine Videos gespeichert und keine Bilder übertragen. Das ist keine Selbstverpflichtung, sondern in die Architektur eingebaut: Die Auswertung passiert vollständig im Gerät an der Kreuzung. Die Kamerabilder existieren nur für Sekundenbruchteile im Arbeitsspeicher, werden ausgewertet und sofort verworfen. Einen Weg, Bildmaterial dauerhaft zu sichern oder ins Internet zu schicken, hat das Gerät im laufenden Betrieb nicht.

Konkret heißt das:

  • Keine Kennzeichen-Erkennung und keine Gesichtserkennung. Die Software unterscheidet Fahrzeugkategorien — Auto, Lkw, Bus, Motorrad, Straßenbahn. Ein bestimmtes Fahrzeug oder eine bestimmte Person zu erkennen, ist nicht vorgesehen und ohne Umbau des Systems auch nicht nachrüstbar.
  • Keine Bußgelder, keine Anzeigen. Das System zählt anonym. Es meldet niemanden an Behörden, und aus den erhobenen Daten lässt sich kein Fahrzeughalter ermitteln.
  • Kein Wiedererkennen. Fahrzeuge werden während eines Abbiegevorgangs unter einer zufälligen Nummer verfolgt, die nach wenigen Sekunden verfällt. Über Manöver hinweg wird nichts zusammengeführt.
  • Verarbeitung in Europa. Die anonymen Zähldaten liegen verschlüsselt bei einem europäischen Anbieter in der EU. Ein US-Anbieter ist nicht beteiligt.

Für Einrichtung und Qualitätssicherung gibt es zwei Ausnahmen, die ein Mensch manuell auslösen muss: einzelne Standbilder, um die Erkennungszonen einzurichten, und kurze Videoclips, um die Zählgenauigkeit zu überprüfen. Sie bleiben lokal, werden nach der Auswertung gelöscht und sind kein Teil des Regelbetriebs.

Was das Ziel ist

Am Ende soll eine Aussage stehen, mit der man arbeiten kann: wie oft verbotswidrig abgebogen wird, wann — Stoßzeit, Dunkelheit, Wochenende — und wie sich das verändert, wenn etwas an der Kreuzung geändert wird.

Damit lässt sich zweierlei tun. Erstens die Gefahrenstelle belegen, statt sie zu behaupten: eine gemessene Zahl ist ein anderes Argument als ein Eindruck. Zweitens die Wirkung von Maßnahmen prüfen — deutlichere Beschilderung, eine andere Ampelschaltung, bauliche Änderungen. Ob und welche Maßnahme kommt, entscheiden die Rheinbahn und die zuständigen Behörden; das System liefert dafür nur die Zahlen.

Der Betrieb ist zeitlich befristet. Über eine Fortführung wird auf Basis der anonymen Zahlen entschieden.

Wie es technisch funktioniert

  • Alles auf dem Gerät. Ein Raspberry-Pi-Rechenmodul mit einem Hailo-8-KI-Beschleuniger sitzt direkt am Mast und wertet den Kamerastream in Echtzeit aus. Nach draußen gehen nur Zähldaten.
  • Standard-Objekterkennung, eigene Fachlogik. Für das Erkennen der Fahrzeuge nutzen wir ein etabliertes YOLO-Modell. Die eigentliche Arbeit steckt in der Logik darüber: Zonen und Geometrie der Kreuzung, Fahrtrichtung, Bewertung eines Manövers als Verstoß, Verdacht, U-Turn oder berechtigt — samt Umgang mit Verdeckungen, Nacht und Regen.
  • Robust ohne Netz. Fällt die Mobilfunkverbindung aus, puffert das Gerät die Zähldaten lokal und lädt sie später nach. Nichts geht verloren, nichts wird doppelt gezählt.
  • Auswertung in der EU. Die Zahlen landen in einer PostgreSQL-Datenbank auf europäischer Infrastruktur; ein Dashboard zeigt Verläufe nach Tageszeit und Wochentag.

Wer dahinter steht

Das Projekt betreibt die Rheinbahn AG als Verantwortliche für die Datenverarbeitung. Die technische Umsetzung liegt bei der schnaq GmbH aus Düsseldorf. Fragen zur Maßnahme selbst beantwortet die Rheinbahn; für technische Rückfragen zum System sind wir da.

Warum diese Aufgabe zu uns passt

Verkehrsforschung mit Kameras ist ein Datenschutz-Minenfeld. Wer hier ohne klare Architektur arbeitet, scheitert nicht an der Technik, sondern an der Akzeptanz. Wir bringen beides mit: Computer Vision auf Edge-Hardware — und eine nüchterne Haltung dazu, welche Daten überhaupt erst entstehen dürfen.

Erfolge

Belastbare Zahlen statt Schätzungen

jeder verbotswidrige Abbiegevorgang mit Zeitpunkt und Fahrzeugart

Keine Bilder, keine Kennzeichen, keine Personen

Auswertung ausschließlich im Gerät an der Kreuzung

Technologien
PythonPostgreSQLScalewayYOLOComputer VisionRaspberry PiCompute ModuleTPU
Kunde

Rheinbahn AG

Zeitraum

2026 – …

Erstgespräch buchen
← Zurück zur Projektübersicht

Bereit, KI richtig anzugehen?

Lassen Sie uns in einem 30-minütigen Gespräch klären, wie wir Ihre Vision technisch fundiert umsetzen können.

Erstgespräch buchen