Agentische Softwareentwicklung in der Praxis: Wie wir bei schnaq KI als Sparringspartner für Analyse, Pläne und Code nutzen — und warum am Ende der Mensch entscheidet.
Am Dienstag, den 16. Juni 2026, stand ich für 90 Minuten vor Informatik-Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf — in der Vorlesungsreihe „Softwareentwicklung in der Praxis". Mein Thema: agentische Softwareentwicklung. Also Software bauen, indem man Agenten anleitet und ihre Ergebnisse prüft, statt jede Zeile selbst zu tippen.
Eine Sache habe ich gleich zu Beginn klargestellt, und sie ist mir auch hier wichtig: Wir bei schnaq verlassen uns nicht blind auf KI. Der Agent ist ein Sparringspartner — ein Codebuddy, der mitdenkt, zuarbeitet und unangenehme Fleißarbeit übernimmt. Die Entscheidung, was am Ende umgesetzt wird, treffen wir Menschen. Genau diese Arbeitsteilung möchte ich in diesem Beitrag zeigen.
Bevor es ans Coden geht, lohnt sich ein gemeinsames Vokabular. Diese Begriffe tauchen immer wieder auf — und wer sie sauber auseinanderhält, versteht schnell, was unter der Haube passiert.
| Begriff | Kurz erklärt |
|---|---|
| LLM | Großes Sprachmodell, das das nächste Token vorhersagt — ein statistisches Modell, kein Orakel. |
| Token | Die Recheneinheit, etwa ¾ eines Wortes. Eingabe ist meist günstiger als Ausgabe. |
| Context | Alles, was der Agent zur Aufgabe weiß. Je mehr passender Kontext, desto weniger muss er raten. |
| Markdown | Schlankes Klartext-Format — das Lieblingsformat für KI-Kontext und Notizen. |
Darauf baut das Agentische auf:
| Begriff | Kurz erklärt |
|---|---|
| Agent | Ein LLM, das eigenständig Ziele verfolgt, entscheidet und Tools nutzt — statt nur zu antworten. |
| Tools | Konkrete Funktionen, die der Agent aufruft: Web-Suche, Datei lesen, E-Mail senden. |
| Workflows | Vordefinierte Schrittfolgen, in denen Agenten Tools und Konnektoren orchestrieren. |
| Routinen | Zeit- oder ereignisgesteuerte Workflows, die laufen, auch wenn niemand im Chat sitzt. |
Und schließlich, wie der Agent an die Welt andockt:
| Begriff | Kurz erklärt |
|---|---|
| Konnektor | Die „verbindbare App" in der Oberfläche — Gmail, Notion, Kalender, GitHub, Drive. |
| MCP | Offenes Protokoll, das Modelle standardisiert mit externen Systemen verbindet. |
| Skills | Wiederverwendbare Anleitungen, die der Agent beim passenden Auslöser automatisch lädt. |
| CLAUDE.md | Projekt-Gedächtnis, bei jedem Start mitgelesen — der Agent startet wie ein:e eingearbeitete:r Kolleg:in. |
Die Faustregel dazu: Konnektor ist, was du klickst. MCP ist, wie es unter der Haube spricht.
Der wichtigste Punkt der Vorlesung war kein Werkzeug, sondern eine Haltung. Wir setzen Agenten primär zur Analyse ein, nicht als Autopiloten für die Implementierung.
Konkret heißt das: Der Agent liest unsere Codebasis, prüft Abläufe, findet Probleme und schlägt einen Plan vor. Aus diesem Plan werden saubere Aufgaben — als Issues auf GitHub oder in Linear. Erst dann kommen wir Menschen ins Spiel und entscheiden, welche dieser Punkte wir wirklich angehen. Häufig schickt der Agent für die Analyse mehrere Sub-Agents parallel los, die jeweils einen Teilaspekt beleuchten und uns zuarbeiten.
Damit das gut funktioniert, gibt es zwei Stellschrauben, die über Erfolg und Risiko entscheiden:
Für den praktischen Teil habe ich ein altes Bekanntes mitgebracht: Shorty, einen URL-Shortener, der 2019 im Programmierpraktikum genau hier an der HHU entstanden ist. Er läuft bis heute unter link.cs.hhu.de auf einem Stack aus Java, Spring Boot und Redis — der Code liegt offen auf GitHub. Ein dankbares Objekt, um live zu zeigen, wie sich so ein Projekt mit einem Agenten weiterentwickeln lässt.
Der Ablauf, den wir gemeinsam durchgespielt haben, sah so aus:
git clone, der Agent bekommt Zugriff auf den Code.Jeder Schritt ist nachvollziehbar, und an zwei Stellen — bei der Auswahl der Issues und beim Review des Pull Requests — bleibt die Kontrolle bewusst bei uns.
Das zweite Beispiel kam direkt aus unserem Alltag: die Überarbeitung unserer eigenen Website schnaq.com. Ziel war, die Seite technisch auf den aktuellen Stand zu bringen und sie sowohl für Google als auch für KI-Suchen auffindbar zu machen — Stichwort SEO und GEO (Generative Engine Optimization, also Sichtbarkeit in ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews & Co.).
Den Anfang macht ein Audit. Statt sequenziell durchzugehen, schicken wir mehrere spezialisierte Audit-Agenten parallel los — je einer pro Dimension: Metadaten, strukturierte Daten, GEO/LLM-Auffindbarkeit, Performance, Content & Keywords und technisches SEO.

Das Ergebnis ist kein vages Bauchgefühl, sondern eine priorisierte Liste: Über 50 verifizierte Findings, je Bereich mit einer Bewertung als Scorecard, dazu die größten Hebel und schnell umsetzbare Quick Wins.

Aus den Findings werden anschließend echte Issues. Ein Meta-Issue bündelt das Gesamtbild, die einzelnen Maßnahmen hängen als Sub-Issues darunter — sauber priorisiert und nachverfolgbar.

Erst danach beginnt die Umsetzung — und auch hier arbeiten Agenten die Issues der Reihe nach ab, Commit für Commit, mit einem Status-Update zurück nach jedem gelösten Punkt.

Ein Detail, das in der Praxis den Unterschied macht: Erkenntnisse dürfen nicht im Chatverlauf versickern. Ich halte Entscheidungen sofort als Markdown fest — in Notion, das als Konnektor verbunden ist und in das der Agent seine Berichte direkt schreibt, sowie in Obsidian als lokalem Vault für privates Wissen. Der Effekt: Beim nächsten Mal startet der Agent mit Kontext statt bei null.
Wenn ich die 90 Minuten in vier Sätzen zusammenfasse:
Agentische Softwareentwicklung nimmt uns viel Routinearbeit ab und hilft, fundierte Entscheidungen schneller zu treffen. Aber sie ersetzt das Urteil nicht — sie schärft es.
Sie möchten agentisches Arbeiten oder datenschutzkonforme KI in Ihrem Team etablieren? Kontaktieren Sie uns für ein kostenloses Erstgespräch — oder werfen Sie zuerst einen Blick in die vollständigen Folien der Vorlesung.